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Die Zahnbürste

Autorenbild: Piroska Kuhn
Piroska Kuhn
15. Aug.
2 Min. Lesezeit


Egon war ein reinlicher Mensch. Er putzte sich dreimal am Tag die Zähne. Vor dem Frühstück. Danach. Und natürlich, bevor er ins Bett ging. Seit einiger Zeit hatte er so eine neumodische Zahnbürste, die blinkte und summte und je nach Aufpreßdruck grün oder rot leuchtete, oder weiß, wenn er gar zu lasch an die Aufgabe heranging, und die ihm, Egon, vorschreiben wollte, wie lange er wo zu putzen hatte, dabei hatte Mama das nie getan, denn er, Egon, hatte sämtliche Reinigungstätigkeiten als Kind schon besser und gründlicher vollzogen als sie, und nun also eine Zahnbürste, die besser als er wissen wollte, wo die empfindlichen Stellen, die Zahnfleischtaschen und die freiliegenden Zahnhälse waren.

Während er sich so in seinen Gedanken verzettelte, griff er nach dem Ding, das sich gerne mit einer App verbinden wollte, die er, Egon, nie auf seinem Smartphone installieren würde, selbst wenn er eines hätte, die über ihn, Egon, buchführen wollte, und so in Rage war er schon wieder im Geiste, daß er nicht gleich bemerkte, was er sich da in den Mund gesteckt hatte, und bevor er es herausziehen und betrachten konnte, schmiegte sich sein Gaumen daran, untersuchte seine Zunge den fremden Gegenstand, und Egon bekam großen Appetit auf ein Spiegelei mit Speck.


An jenem Tag erschien Egon das erste Mal unrasiert auf Arbeit.



Und hier der Schreib-Impuls:


Kleine Aufwärmübung: Der falsche Gegenstand

Schreibe maximal 250 Wörter.

Ein Mensch greift morgens nach einem ganz gewöhnlichen Gegenstand – Schlüssel, Tasse, Handy, Zahnbürste, völlig egal – und stellt fest, dass es nicht der Gegenstand ist, für den er ihn gehalten hat.

Vorschriften:

  • Das Wort „falsch“ darf nicht vorkommen. 

  • Der Gegenstand darf sich nicht magisch verwandeln.

  • Mindestens ein Satz muss deutlich länger sein als nötig. 

  • Mindestens ein Satz muss aus höchstens drei Wörtern bestehen. 

  • Der Leser soll am Ende verstehen, was der Gegenstand tatsächlich ist, aber Du darfst es nicht ausdrücklich benennen.

  • Und: Keine Erklärung, wie es dazu gekommen ist.

Der Rest ist völlig frei.

Und wenn Dir nach drei Sätzen ein völlig anderes Ding einfällt: Hinterher. 😏

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