top of page

Der Kaktus

  • Autorenbild: Piroska Kuhn
    Piroska Kuhn
  • vor 4 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Natürlich leckte er nicht wirklich am Kaktus, bevor er die Briefmarke auf den Brief klebte, aber er tat wie jedes Mal so, um das Mädchen aus der Fassung zu bringen. Das war leicht. Sie flatterte um ihn herum wie ein aufgescheuchtes Huhn, und je mehr sie flatterte, umso tiefer entspannte er sich in seinem Sessel.


Er steckte sich eine Pistazie in den Mund und schob den Kalender zur Seite. Es war Mittwoch, nein, Donnerstagabend, wie schnell die Woche verging. Natürlich war es nicht seine Aufgabe, die Briefe zu frankieren, das Mädchen hätte das selbst tun können, doch ließ er sich es nicht nehmen, jede einzelne Marke selbst anzulecken, ebenso wie die Briefumschläge, die guten, altmodischen, ohne diese selbstklebenden Umschlagränder mit dieser Papierfolie, die man abziehen konnte, und die nie nahtlos schlossen, und erneut schob sich die Zunge durch die Lippen, hinterließ Pistazienkrümel auf der nächsten Marke und der danach, und so leckte und leckte er, achtundsechzig Marken und Ränder lang, bis seine Schublade leer war und er das Mädchen nach Hause schickte.


Er wischte die Pistazienkrümel von der Schreibtischplatte, stellte den Kalender zurück auf seinen Platz und sagte zum Kaktus: „Frauen sind wie Briefmarken. Merk Dir das.“ Dann strich er sanft mit den Fingern über die Stacheln.


Es war schon spät, als der Zahnarzt sein Büro verließ und das Mädchen am Empfang freundlich grüßte und ihr einen schönen Abend wünschte. Seine Zunge… Er schob sie zurück in seine Phantasie und verschloß sie fest im Mund. „Schönes Wochenende“, rief sie ihm hinterher. Schade – es war schon Freitag.




Chatties Aufgabe an mich



Anfangswort

Natürlich

Endwort

Freitag.

Diese Wörter müssen hinein

  • Briefmarke

  • Kaktus

  • Zahnarzt

  • Pistazie

  • achtundsechzig

  • Schublade

Regeln

  1. Maximal 350 Wörter.

  2. Mindestens ein Satz mit mehr als 80 Wörtern.

  3. Mindestens ein Satzfragment, das kein vollständiger Satz ist.

  4. „eigentlich“ darf nicht vorkommen.

  5. Eine Figur muss etwas völlig Falsches mit großer Überzeugung behaupten.

  6. Einer der Gegenstände muss im Text eine Funktion bekommen, die er normalerweise nicht hat.

  7. Es muss irgendwo eine kleine zeitliche Unstimmigkeit geben. Der Text darf sie nicht erklären.

  8. Mindestens einmal muss ein Satz seine eigene Aussage sprachlich wiederholen oder korrigieren.

  9. Schlusswort wirklich Freitag. 😁

  10. Und wie immer: Wenn eine Regel dem Text im Weg steht, hat der Text Vorrang.

Diesmal bin ich besonders gespannt auf achtundsechzig. Das ist ein ziemlich sperriges Tier. 🐊


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


Piroska Kuhn - Klavierunterricht Berlin Steglitz / Dahlem. Englerallee 8a, 14195 Berlin. Klavierunterricht für Kinder und Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene.

bottom of page